Wie schützt man kritische Geschäftsprozesse während der S/4HANA-Migration?

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Kritische Geschäftsprozesse während einer S/4HANA-Migration schützt man durch eine Kombination aus sorgfältiger Vorbereitung, einem strukturierten Risikomanagement, dem Einsatz von SAP GRC sowie einem klar definierten Parallelbetrieb und Notfallplan. Der Schutz gelingt nicht durch eine einzelne Maßnahme, sondern durch ein abgestimmtes Sicherheitsnetz aus technischen, organisatorischen und prozessualen Kontrollen. Die folgenden Abschnitte beleuchten die wichtigsten Fragen, die Unternehmen auf dem Weg zur S/4HANA-Migration beschäftigen.

Welche Geschäftsprozesse sind während einer S/4HANA-Migration am stärksten gefährdet?

Am stärksten gefährdet sind während einer S/4HANA-Migration jene Geschäftsprozesse, die in Echtzeit auf konsistente Daten angewiesen sind: Finanz- und Rechnungswesen, Beschaffung, Auftragsabwicklung sowie Personalabrechnung. Diese Prozesse reagieren besonders sensibel auf Datenmigrationsfehler, Systemausfälle oder Berechtigungslücken, da Fehler hier unmittelbare betriebliche und rechtliche Konsequenzen haben können.

Darüber hinaus sind Prozesse mit hoher Transaktionsfrequenz besonders exponiert. Dazu zählen etwa die Debitorenbuchhaltung, der elektronische Zahlungsverkehr und die Lagerverwaltung. Wird einer dieser Prozesse während der Migrationsphase unterbrochen oder liefert fehlerhafte Ergebnisse, können sich Folgeprobleme rasch durch die gesamte Wertschöpfungskette ziehen.

Unternehmen sollten daher zu Beginn jedes Migrationsprojekts eine Prozesslandkarte erstellen, die alle kritischen Abläufe nach Priorität und Risikograd klassifiziert. Diese Grundlage ermöglicht es, Schutzmaßnahmen gezielt dort einzusetzen, wo der potenzielle Schaden am größten ist.

Wie wirken sich Datenmigrationsfehler auf laufende Geschäftsprozesse aus?

Datenmigrationsfehler können laufende Geschäftsprozesse erheblich stören, indem sie inkonsistente Stammdaten, fehlerhafte Buchungen oder unvollständige Bewegungsdaten erzeugen. Solche Fehler bleiben häufig zunächst unbemerkt und manifestieren sich erst Wochen später in falschen Auswertungen, Zahlungsausfällen oder Compliance-Verstößen.

Konkret können fehlerhafte Lieferantenstammdaten dazu führen, dass Zahlungen an falsche Konten ausgelöst werden. Unvollständig migrierte Kundenaufträge können Lieferverzögerungen verursachen. Und inkonsistente Kostenstellen im Rechnungswesen erschweren die Periodenabschlüsse erheblich.

Um solche Szenarien zu vermeiden, empfiehlt sich ein mehrstufiges Datenmigrations- und Validierungskonzept:

  • Datenbereinigung vor der Migration: Dubletten, veraltete Datensätze und inkonsistente Felder sollten bereits im Quellsystem bereinigt werden.
  • Migrationstests mit Produktionsdaten: Testmigrationen auf Basis echter Daten decken Fehler auf, die synthetische Testdaten nicht zeigen.
  • Automatisierte Validierungsregeln: Nach jeder Migrationsstufe prüfen automatisierte Checks, ob Datensätze vollständig und konsistent übertragen wurden.
  • Reconciliation-Reports: Abgleiche zwischen Quell- und Zielsystem stellen sicher, dass keine Datensätze verloren gegangen sind.

Welche Rolle spielt SAP GRC beim Schutz von Prozessen während der Migration?

SAP GRC übernimmt während einer S/4HANA-Migration eine zentrale Schutzfunktion, indem es Zugriffsrisiken kontrolliert, Funktionstrennung sicherstellt und Compliance-Anforderungen auch in der Übergangsphase durchsetzt. Gerade wenn temporäre Berechtigungen für Migrationsteams vergeben werden, entstehen neue Risiken, die ohne GRC-Unterstützung leicht übersehen werden.

In der Praxis bedeutet das: Während der Migration erhalten Projektmitglieder häufig erweiterte Systemrechte, um Konfigurationen vorzunehmen oder Daten zu laden. Ohne ein aktives SAP Security und GRC-Framework können diese temporären Berechtigungen zu dauerhaften Sicherheitslücken werden, wenn sie nach dem Go-live nicht konsequent entzogen werden.

SAP GRC ermöglicht es, Berechtigungsvergaben zu dokumentieren, automatisch auf Konflikte zu prüfen und Ausnahmen zeitlich zu begrenzen. Darüber hinaus unterstützt das System dabei, regulatorische Anforderungen wie die Segregation of Duties (SoD) auch während des Migrationsbetriebs einzuhalten. Dies ist besonders relevant für Unternehmen in regulierten Branchen wie Banken, Versicherungen oder dem Gesundheitswesen.

Wie schützt ein Parallelbetrieb kritische Prozesse beim Go-live?

Ein Parallelbetrieb schützt kritische Prozesse beim Go-live, indem das alte und das neue System für einen definierten Zeitraum gleichzeitig betrieben werden. Transaktionen werden in beiden Systemen erfasst und die Ergebnisse abgeglichen, sodass Abweichungen sofort erkannt und korrigiert werden können, bevor das Altsystem abgeschaltet wird.

Der Parallelbetrieb ist besonders wertvoll für Prozesse mit hoher finanzieller Relevanz, etwa die Finanzbuchhaltung oder die Lohnabrechnung. Ein Abgleich der Buchungsergebnisse aus beiden Systemen gibt dem Unternehmen die Sicherheit, dass das neue S/4HANA-System korrekt arbeitet.

Vorteile des Parallelbetriebs

Der größte Vorteil liegt in der Rückfalloption: Sollte das neue System kritische Fehler aufweisen, können Prozesse kurzfristig wieder vollständig im Altsystem abgewickelt werden. Das reduziert den Druck auf das Migrationsteam und schützt das Unternehmen vor einem vollständigen Betriebsausfall.

Grenzen und Risiken des Parallelbetriebs

Allerdings ist der Parallelbetrieb ressourcenintensiv. Mitarbeitende müssen Daten doppelt pflegen, was Fehlerquellen schafft und den Aufwand erhöht. Daher sollte die Parallelphase zeitlich klar begrenzt und auf die wirklich kritischen Prozesse beschränkt werden. Eine sorgfältige Projektplanung und -steuerung ist entscheidend, um den Parallelbetrieb effizient zu gestalten.

Was sollte ein Notfallplan für die S/4HANA-Migration abdecken?

Ein Notfallplan für die S/4HANA-Migration sollte konkrete Eskalationswege, Rollback-Szenarien, Verantwortlichkeiten und Kommunikationsprotokolle für den Fall eines kritischen Systemausfalls oder schwerwiegender Datenfehler definieren. Ohne einen solchen Plan riskieren Unternehmen, im Ernstfall unkoordiniert zu reagieren und den Schaden zu vergrößern.

Ein vollständiger Notfallplan umfasst folgende Kernelemente:

  1. Rollback-Kriterien: Klare, vorab definierte Schwellenwerte, ab wann ein Rückschritt auf das Altsystem eingeleitet wird.
  2. Rollback-Verfahren: Technische und organisatorische Schritte, die für eine Rückkehr zum Altsystem notwendig sind, inklusive Zeitschätzung.
  3. Eskalationskette: Wer entscheidet wann und auf welcher Basis über einen Rollback oder andere Notfallmaßnahmen?
  4. Kommunikationsplan: Wie werden betroffene Abteilungen, Kunden und Partner im Ernstfall informiert?
  5. Daten-Backup-Strategie: Sicherstellung, dass vor dem Go-live vollständige und wiederherstellbare Datensicherungen vorliegen.
  6. Supportbereitschaft: Verfügbarkeit von internen und externen SAP-Experten rund um den Go-live-Termin.

Der Notfallplan sollte nicht erst kurz vor dem Go-live erstellt, sondern bereits in der Planungsphase des Migrationsprojekts entwickelt und regelmäßig aktualisiert werden.

Wann ist der richtige Zeitpunkt, externe SAP-Migrationsexperten einzubeziehen?

Externe SAP-Migrationsexperten sollten so früh wie möglich einbezogen werden, idealerweise bereits in der Konzeptionsphase, bevor grundlegende Architekturentscheidungen getroffen werden. Je später externe Expertise hinzugezogen wird, desto kostspieliger und aufwendiger ist es, Fehler in der Planung zu korrigieren.

Es gibt spezifische Situationen, in denen externe Unterstützung besonders wertvoll ist:

  • Wenn interne Teams keine ausreichende S/4HANA-Migrationserfahrung besitzen
  • Bei komplexen Systemlandschaften mit zahlreichen Schnittstellen und Eigenentwicklungen
  • Wenn regulatorische Anforderungen, etwa im Banken- oder Gesundheitsbereich, besondere Compliance-Expertise erfordern
  • Bei engen Zeitplänen, die eine parallele Stärkung der internen Kapazitäten nicht zulassen
  • Wenn kritische Prozesse wie der elektronische Zahlungsverkehr migriert werden, die spezifisches Fachwissen erfordern

Externe Experten bringen nicht nur technisches Know-how mit, sondern auch Erfahrung aus vergleichbaren Projekten. Diese Erfahrung ermöglicht es, typische Fallstricke frühzeitig zu erkennen und bewährte Lösungsansätze direkt anzuwenden, statt sie im laufenden Projekt erst entwickeln zu müssen.

Wie AICON Sie bei der sicheren S/4HANA-Migration unterstützt

Eine S/4HANA-Migration ist eines der komplexesten IT-Vorhaben, das ein Unternehmen durchführen kann. Wir bei AICON Solutions GmbH begleiten Unternehmen dabei seit vielen Jahren mit einem klaren Fokus auf Sicherheit, Prozessschutz und Compliance. Unser Leistungsangebot für Ihre Migration umfasst:

  • Prozess- und Risikoanalyse: Wir identifizieren gemeinsam mit Ihnen die kritischen Geschäftsprozesse und entwickeln ein maßgeschneidertes Risikomanagementkonzept für Ihre Migration.
  • SAP GRC und Berechtigungsmanagement: Wir stellen sicher, dass Zugriffsrechte während und nach der Migration kontrolliert vergeben und dokumentiert werden, um Compliance-Risiken zu minimieren.
  • Datenmigration und Validierung: Unser Team entwickelt und begleitet Ihr Datenmigrations- und Validierungskonzept, von der Datenbereinigung bis zum finalen Abgleich im Zielsystem.
  • Notfallplanung und Go-live-Support: Wir erarbeiten mit Ihnen einen praxistauglichen Notfallplan und stehen Ihnen rund um den Go-live-Termin als direkte Ansprechpartner zur Verfügung.
  • Branchenspezifische Expertise: Ob öffentlicher Sektor, Banken und Versicherungen oder Gesundheitswesen, wir kennen die regulatorischen Anforderungen Ihrer Branche und berücksichtigen sie in jedem Projektschritt.

Möchten Sie Ihre S/4HANA-Migration auf ein sicheres Fundament stellen? Kontaktieren Sie uns und erfahren Sie, wie wir Ihr Migrationsprojekt gemeinsam erfolgreich gestalten können.

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