Eine SAP S/4HANA-Migration wirkt sich auf nahezu alle bestehenden Schnittstellen aus, da S/4HANA auf einem grundlegend veränderten Datenmodell basiert. Viele klassische Integrationstechnologien wie RFCs und BAPIs funktionieren zwar technisch weiterhin, entsprechen aber nicht mehr dem empfohlenen Integrationsstandard. Welche Schnittstellen konkret betroffen sind, wie Sie diese analysieren und welche Entscheidungen Sie treffen müssen, erläutern die folgenden Abschnitte.
Welche Schnittstellentypen sind von einer S/4HANA-Migration am stärksten betroffen?
Am stärksten betroffen sind synchrone RFC- und BAPI-basierte Schnittstellen sowie IDocs für den asynchronen Nachrichtenaustausch. Darüber hinaus sind alle Integrationen betroffen, die direkt auf SAP-Tabellen zugreifen, die in S/4HANA umbenannt, zusammengeführt oder ersetzt wurden. Besonders kritisch sind Schnittstellen zu Drittsystemen wie CRM-, Logistik- oder Finanzanwendungen.
Im Einzelnen lassen sich die betroffenen Schnittstellentypen in drei Kategorien einteilen:
- Synchrone Schnittstellen: RFCs, BAPIs und Web-Services, die auf veränderte Funktionsbausteine oder Tabellen zugreifen
- Asynchrone Schnittstellen: IDocs, deren Nachrichtentypen in S/4HANA angepasst oder durch neue Formate abgelöst wurden
- Datenbanknahe Schnittstellen: Direktzugriffe auf SAP-Tabellen wie BSEG oder MARA, die in S/4HANA durch neue Strukturen ersetzt wurden
Besonders im Finanz- und Logistikbereich hat SAP das Datenmodell erheblich vereinfacht. Tabellen wie BSEG wurden durch die Universal-Journal-Tabelle ACDOCA ersetzt. Schnittstellen, die diese Tabellen direkt lesen oder beschreiben, müssen zwingend überarbeitet werden. Gleiches gilt für Schnittstellen zu SAP-Modulen, die in S/4HANA in neuer Form vorliegen, etwa das Material Ledger oder die Kreditmanagementfunktionen.
Was passiert mit IDocs und RFCs nach der Migration zu S/4HANA?
IDocs und RFCs bleiben in S/4HANA grundsätzlich lauffähig, da SAP auf Abwärtskompatibilität achtet. Allerdings sind nicht alle IDoc-Typen und RFC-Funktionsbausteine unverändert verfügbar. Einige wurden deprecatet, andere weisen veränderte Feldstrukturen auf. Eine ungeprüfte Weiternutzung ohne vorherige Analyse birgt daher erhebliche Risiken für die Datenkonsistenz.
Für IDocs gilt: SAP hat zahlreiche klassische Nachrichtentypen in S/4HANA beibehalten, empfiehlt aber langfristig den Umstieg auf OData-basierte APIs oder die SAP Integration Suite. In der Praxis bedeutet das, dass bestehende IDoc-Strecken nach der Migration zwar häufig noch funktionieren, aber überprüft werden sollten, ob die übertragenen Felder noch korrekt befüllt werden und die empfangenden Systeme die Daten richtig verarbeiten.
Bei RFCs ist die Situation ähnlich. Viele Funktionsbausteine existieren weiterhin, wurden aber intern auf das neue Datenmodell umgestellt. Ein RFC, der bisher Daten aus der Tabelle BSEG gelesen hat, liefert nun möglicherweise andere oder unvollständige Ergebnisse. Für neue Integrationen empfiehlt SAP den Einsatz von OData-Services und des RESTful Application Programming Model (RAP), das den modernen Integrationsstandard darstellt. SAP-Entwicklung und Beratung umfasst heute daher auch die Bewertung und Modernisierung bestehender RFC-Strecken.
Wie analysiert man Schnittstellen vor einer S/4HANA-Migration?
Die Schnittstellenanalyse vor einer S/4HANA-Migration erfolgt in mehreren Schritten: Zunächst werden alle bestehenden Schnittstellen inventarisiert, dann auf Kompatibilität mit dem neuen Datenmodell geprüft und abschließend priorisiert. SAP stellt mit dem Readiness Check und dem Simplification Item Catalog wichtige Werkzeuge bereit, die diesen Prozess unterstützen.
Inventarisierung und Dokumentation
Im ersten Schritt geht es darum, alle aktiven Schnittstellen zu erfassen. Viele Unternehmen unterschätzen die Anzahl ihrer Schnittstellen, da über die Jahre zahlreiche Punkt-zu-Punkt-Verbindungen entstanden sind, die nicht zentral dokumentiert wurden. Hilfreich sind dabei Tools wie der SAP Interface and Connection Monitor oder eine gezielte Auswertung der SM59-Verbindungen und der IDoc-Partnerprofil-Konfiguration.
Kompatibilitätsprüfung und Priorisierung
Im zweiten Schritt wird jede Schnittstelle gegen den SAP Simplification Item Catalog geprüft. Dieser Katalog listet alle Funktionen und Objekte auf, die in S/4HANA geändert, eingeschränkt oder entfernt wurden. Schnittstellen, die auf betroffene Objekte zugreifen, werden als kritisch markiert und müssen vor der Produktivsetzung angepasst werden. Weniger kritische Schnittstellen können nach der Migration überarbeitet werden, sofern ein Fallback-Szenario besteht. Eine strukturierte Projektplanung und Strategie ist dabei entscheidend, um Aufwände realistisch einzuschätzen.
Sollte man bei der Migration auf SAP Integration Suite umsteigen?
Ein Umstieg auf die SAP Integration Suite ist für viele Unternehmen empfehlenswert, aber nicht zwingend erforderlich. Die Entscheidung hängt von der Komplexität der bestehenden Integrationslandschaft, der Anzahl der angebundenen Systeme und der langfristigen IT-Strategie ab. Wer bereits eine Middleware wie SAP Process Orchestration (PO) betreibt, sollte den Umstieg im Rahmen der S/4HANA-Migration zumindest evaluieren.
Die SAP Integration Suite, die auf der Business Technology Platform (BTP) basiert, bietet gegenüber SAP PO mehrere Vorteile: Cloud-native Architektur, vorgefertigte Integrationsszenarien über den Integration Advisor sowie eine moderne API-Verwaltung. SAP hat angekündigt, SAP PO langfristig nicht weiterzuentwickeln, was den Umstieg auf die Integration Suite strategisch sinnvoll macht.
Allerdings ist der parallele Umstieg auf S/4HANA und die Integration Suite ein erheblicher Aufwand. Viele Unternehmen entscheiden sich daher für eine zweistufige Vorgehensweise: Zunächst wird die S/4HANA-Migration mit der bestehenden Middleware abgeschlossen, danach erfolgt in einem separaten Projekt die Ablösung der Integrationsplattform. Wichtig ist, diese Entscheidung frühzeitig im Rahmen der Gesamtarchitektur zu treffen, um spätere Doppelarbeiten zu vermeiden.
Wie lange dauert die Anpassung von Schnittstellen bei einem S/4HANA-Projekt?
Die Anpassung von Schnittstellen dauert je nach Komplexität und Anzahl der Verbindungen zwischen einigen Wochen und mehreren Monaten. In der Praxis entfällt bei vielen S/4HANA-Projekten ein erheblicher Teil des Gesamtaufwands auf die Schnittstellenanpassung, da diese häufig unterschätzt wird. Unternehmen mit einer heterogenen Systemlandschaft sollten mindestens 30 bis 40 Prozent des Projektbudgets für Integrationsthemen einplanen.
Die Dauer hängt von mehreren Faktoren ab:
- Anzahl der Schnittstellen: Unternehmen mit vielen Drittsystemanbindungen benötigen mehr Zeit für Analyse und Anpassung
- Technologiemix: Eine Kombination aus IDocs, RFCs, Web-Services und direkten Datenbankzugriffen erhöht die Komplexität
- Dokumentationsstand: Gut dokumentierte Schnittstellen lassen sich schneller analysieren und anpassen
- Testaufwand: Jede angepasste Schnittstelle muss in einem Integrationstestzyklus validiert werden
Erfahrungsgemäß beginnt die Schnittstellenanpassung nicht erst in der Realisierungsphase, sondern bereits in der Blueprinting- oder Designphase. Wer die Schnittstellenanalyse früh startet, vermeidet Engpässe kurz vor der Produktivsetzung und sichert die Datenqualität von Beginn an.
Wie wir Sie bei der Schnittstellenmigration unterstützen
Wir bei AICON Solutions begleiten Unternehmen entlang des gesamten S/4HANA-Migrationsprozesses, von der initialen Schnittstellenanalyse bis zur Qualitätssicherung nach der Produktivsetzung. Unser Leistungsangebot im Bereich Schnittstellen und SAP-Integration umfasst konkret:
- Vollständige Inventarisierung und Bewertung Ihrer bestehenden RFC-, BAPI-, IDoc- und Web-Service-Schnittstellen
- Prüfung der Kompatibilität mit dem S/4HANA-Datenmodell auf Basis des SAP Simplification Item Catalogs
- Technische Anpassung und Neuentwicklung von Schnittstellen in ABAP, ABAP OO und modernen OData-Services
- Beratung zur Integrationsstrategie, einschließlich der Evaluierung der SAP Integration Suite als Nachfolger von SAP PO
- Durchführung von Integrationstests und Begleitung bis zur erfolgreichen Produktivsetzung
Mit langjähriger Erfahrung in der SAP-Beratung und -Entwicklung sowie einer schlanken Projektstruktur reagieren wir flexibel auf die spezifischen Anforderungen Ihres Unternehmens. Nehmen Sie jetzt Kontakt mit uns auf und erfahren Sie, wie wir Ihre S/4HANA-Migration sicher und effizient gestalten können.
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