Was sind die Unterschiede zwischen Agile und Wasserfall bei S/4HANA-Projekten?

Zwei Flussarme – einer in kurzen Schleifen, einer gerade – vereinen sich in einem modernen Büro mit Grünpflanzen und Tageslicht.

Für S/4HANA-Projekte eignet sich in den meisten Fällen kein einzelner Ansatz pauschal besser: Agile bietet Flexibilität und schnelle Anpassungsfähigkeit, während das Wasserfall-Modell klare Strukturen und planbare Meilensteine liefert. Die Wahl der richtigen S/4HANA-Projektmethodik hängt entscheidend von der Komplexität, der Unternehmensgröße und dem Grad der Prozessveränderung ab. Die folgenden Abschnitte beleuchten beide Ansätze im Detail und zeigen, wann ein hybrides Vorgehen die beste Option darstellt.

Welche Projektmethodik eignet sich besser für S/4HANA-Einführungen?

Weder Agile noch Wasserfall ist grundsätzlich überlegen: Beide Methoden haben in S/4HANA-Projekten ihre Berechtigung. Wasserfall eignet sich besonders für stark standardisierte Rollouts mit klaren Anforderungen, während Agile dort punktet, wo Prozesse iterativ entwickelt werden müssen und sich Anforderungen im Projektverlauf verändern. Viele erfolgreiche Implementierungen kombinieren heute beide Ansätze.

Die Entscheidung sollte auf Basis konkreter Projektparameter getroffen werden. Zu den wichtigsten Faktoren zählen der Umfang der Geschäftsprozessveränderungen, die Verfügbarkeit der Fachbereiche, die Erfahrung des Projektteams mit agilen Methoden sowie regulatorische Anforderungen, die möglicherweise eine vollständige Dokumentation aller Schritte verlangen. Ein strukturiertes Projektmanagement bildet dabei die Grundlage für eine fundierte Methodenentscheidung.

Wie funktioniert das Wasserfall-Modell bei SAP-Projekten?

Das Wasserfall-Modell bei SAP-Projekten folgt einem sequenziellen Ablauf: Jede Phase, von der Anforderungsanalyse über das Konzept und die Realisierung bis hin zu Tests und Produktivsetzung, wird abgeschlossen, bevor die nächste beginnt. Dieser Ansatz entspricht weitgehend der klassischen SAP-eigenen Implementierungsmethodik ASAP und bietet eine hohe Planbarkeit.

In der Praxis bedeutet das: Zu Beginn werden alle Anforderungen detailliert erfasst und in einem Blueprint-Dokument festgehalten. Auf dieser Grundlage erfolgt das Customizing und die Entwicklung, bevor das System in einer Testphase validiert wird. Änderungen nach Abschluss einer Phase sind formell möglich, aber aufwendig und kostenintensiv. Für Unternehmen mit stabilen Prozessen und klar definierten Zielen bietet dieses Vorgehen eine verlässliche Grundlage für die S/4HANA-Implementierung.

Wie wird Agile konkret in S/4HANA-Projekten angewendet?

Agile S/4HANA-Projekte arbeiten in kurzen Iterationen, sogenannten Sprints, in denen jeweils definierte Funktionsbereiche oder Prozesse entwickelt, getestet und freigegeben werden. SAP hat mit der Activate-Methodik einen Rahmen geschaffen, der agile Prinzipien mit SAP-spezifischen Best Practices verbindet und damit den Einstieg in iteratives Arbeiten erleichtert.

Konkret bedeutet das in einem S/4HANA-Projekt: Das Projektteam priorisiert Anforderungen in einem Product Backlog, arbeitet diese in zwei- bis vierwöchigen Sprints ab und präsentiert Ergebnisse regelmäßig den Fachbereichen. So erhalten Stakeholder frühzeitig funktionsfähige Systemausschnitte und können Feedback einbringen, bevor größere Fehlentwicklungen entstehen. Voraussetzung ist eine hohe Verfügbarkeit der Fachbereichsvertreter sowie ein erfahrenes Team im Bereich SAP Consulting und Entwicklung, das iterative Entwicklungszyklen souverän steuert.

Was sind die größten Risiken beim Wasserfall-Ansatz in S/4HANA-Projekten?

Das größte Risiko beim Wasserfall-Ansatz in S/4HANA-Projekten ist die späte Rückkopplung: Fehler in der Anforderungsanalyse oder im Konzept werden oft erst in der Testphase entdeckt, wenn Korrekturen besonders teuer sind. Hinzu kommt die Gefahr, dass sich Geschäftsanforderungen während der langen Projektlaufzeit verändern, das System aber bereits auf veralteten Prämissen basiert.

Weitere typische Risiken umfassen:

  • Scope Creep durch unvollständige Anforderungen: Werden Anforderungen zu Beginn nicht vollständig erfasst, entstehen kostspielige Nachträge.
  • Geringe Nutzerakzeptanz: Fachbereiche sehen das System erst kurz vor dem Go-live und haben wenig Möglichkeit, es mitzugestalten.
  • Starre Reaktion auf technologische Veränderungen: S/4HANA-Projekte laufen oft über mehrere Jahre. In dieser Zeit kann SAP neue Funktionen einführen, die im ursprünglichen Konzept nicht berücksichtigt wurden.
  • Hoher Dokumentationsaufwand: Jede Phasenübergabe erfordert umfangreiche Dokumentation, was Ressourcen bindet, ohne direkt Mehrwert für das System zu erzeugen.

Diese Risiken lassen sich durch sorgfältige Anforderungsanalysen, regelmäßige Lenkungsausschüsse und ein professionelles Änderungsmanagement deutlich reduzieren, aber nicht vollständig eliminieren.

Wann ist ein hybrides Vorgehen bei S/4HANA sinnvoll?

Ein hybrides Vorgehen bei S/4HANA-Projekten ist sinnvoll, wenn standardisierte Kernprozesse nach dem Wasserfall-Modell umgesetzt werden, während innovative oder stark veränderliche Prozessbereiche agil entwickelt werden. Dieser Ansatz verbindet die Planbarkeit des Wasserfalls mit der Flexibilität agiler Methoden und entspricht der Realität vieler mittelgroßer und großer SAP-Einführungen.

Typische Szenarien für ein hybrides Vorgehen sind:

  • Die Basisinfrastruktur und das technische Grundsystem werden klassisch nach Plan aufgebaut, während Berichte, Schnittstellen und kundenspezifische Erweiterungen in Sprints entwickelt werden.
  • Regulatorisch relevante Module wie das Finanzwesen folgen einem strukturierten Wasserfall-Prozess, während neue digitale Prozesse iterativ eingeführt werden.
  • Ein Pilotprojekt in einem Unternehmensbereich wird agil durchgeführt, der anschließende Rollout auf weitere Standorte erfolgt dann nach einem standardisierten Wasserfall-Plan.

Entscheidend für den Erfolg eines hybriden Ansatzes ist eine klare Governance-Struktur, die festlegt, welche Teile des Projekts nach welcher Methodik gesteuert werden und wie die Schnittstellen zwischen beiden Bereichen organisiert sind.

Welche Rolle spielt die Projektmethodik für Budget und Zeitplan?

Die Wahl der SAP-Projektmethodik hat direkte Auswirkungen auf Budget und Zeitplan: Das Wasserfall-Modell ermöglicht eine präzise Vorauskalkulation, birgt aber das Risiko hoher Nachtragskosten bei Änderungen. Agile Ansätze bieten mehr Kostentransparenz im Projektverlauf, machen eine Gesamtkostenschätzung zu Beginn jedoch schwieriger.

Im Wasserfall-Modell werden Budget und Zeitplan zu Projektbeginn fixiert. Das schafft Sicherheit für die Unternehmensführung, bedeutet aber auch, dass notwendige Änderungen formelle Change-Request-Prozesse durchlaufen und häufig mit Mehrkosten verbunden sind. Studien aus der Projektmanagement-Praxis zeigen, dass gerade bei großen IT-Projekten ein erheblicher Anteil der Gesamtkosten auf nachträgliche Anpassungen entfällt.

Agile Projekte budgetieren häufig in Sprints oder Phasen. Das ermöglicht eine laufende Priorisierung und verhindert, dass Ressourcen in Funktionen investiert werden, die am Ende keinen Mehrwert liefern. Allerdings erfordert dieser Ansatz eine disziplinierte Steuerung des Product Backlogs und klare Entscheidungskompetenzen im Projektteam. Für Unternehmen mit strikten Budgetvorgaben empfiehlt sich daher oft ein hybrides Modell: ein festes Budget für die Kernimplementierung, kombiniert mit einem flexiblen Rahmen für Erweiterungen.

Wie AICON Sie bei der Wahl der richtigen S/4HANA-Projektmethodik unterstützt

Die Entscheidung zwischen Agile, Wasserfall oder einem hybriden Ansatz ist eine der weichenstellenden Fragen jeder S/4HANA-Einführung. Wir bei AICON Solutions begleiten Unternehmen von der Methodenauswahl bis zur erfolgreichen Produktivsetzung mit einem klaren Fokus auf pragmatische, maßgeschneiderte Lösungen. Dabei bringen wir langjährige Erfahrung aus Projekten in verschiedenen Branchen, darunter dem öffentlichen Sektor, Banken und Versicherungen sowie Retail, mit.

Unser Leistungsangebot im Bereich SAP-Projektmanagement und -Implementierung umfasst:

  • Machbarkeitsstudien und Anforderungsanalysen als Grundlage einer fundierten Methodenentscheidung
  • Konzeption und Prototypenentwicklung für iterative oder phasenbasierte Vorgehensmodelle
  • Customizing und ABAP-Entwicklung nach dem gewählten Projektrahmen
  • Qualitätssicherung und Testmanagement entlang aller Projektphasen
  • Betreuung nach Produktivsetzung für einen stabilen Betrieb

Möchten Sie wissen, welche Projektmethodik für Ihre S/4HANA-Einführung die richtige ist? Nehmen Sie jetzt Kontakt auf und vereinbaren Sie ein unverbindliches Beratungsgespräch mit unserem Team.

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